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Vom Gewicht der Leere

Pearlie Frisch und Roman Sonderegger
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Posted in: Ausstellungen
10. November 2022   -   22. Januar 2023
Veranstaltungen:
  1. 10. November 2022 | 18.30 Uhr

    Vernissage
    Begrüssung: Jeannette Polin und Isobel Groenke, Kuratorinnen

  2. 20. November 2022 | 15 Uhr

    Artist Talk

  3. 12. Januar 2023 | 18.30 Uhr

    Rundgang mit den Kuratorinnen

  4. 22. Januar 2023 | 15 - 17 Uhr

    Finissage
    Performances von Laura Süess & Elisa Bruder

Veranstaltungsort
Trudelhaus Baden

Trudelhaus
Obere Halde 36
5400 Baden


https://www.visarte-aargau.ch/ausstellungsraum/programm.html#jetzt
Öffnungszeiten

Freitag 14 - 17 Uhr
Samstag/Sonntag 11 - 17 Uhr

Die beiden Kunstschaffenden Roman Sonderegger (*1979) und Pearlie Frisch (*1986) zeigen eine Studie der Leere, die in der Präsenz wie auch der Absenz untersucht und gesucht wird. Besuchende der Ausstellung «Vom Gewicht der Leere» finden sich in der Interaktion mit Objekten wieder und füllen den konstruierten Leerraum durch ihre Gegenwärtigkeit.

Auch wenn die beiden künstlerischen Ansätze und Ästhetiken nicht offensichtlich übereinstimmen, erforschen beide KünstlerInnen, was es bedeutet, sich mit der Leere und dem dadurch entstehenden Raum und Potenzial auseinanderzusetzen. Ihre Kunst zählt auf die Präsenz und den interaktiven Beitrag der Besucher: innen – denn die Besucher: innen füllen die letzte Lücke - die Leere.

In den Arbeiten von Pearlie Frisch fügen sich die Galeriebesuchenden in leere Nischen, indem sie sich in spiegelnden Fotoabzügen wiedererkennen. In einer Videoarbeit sieht man Hände, die mit einem Objekt spielen, doch das Objekt ist tiefschwarz und somit für uns weder in Form noch Grösse definierbar. Das Werk regt zum Nachdenken und Erforschen der eigenen Wahrnehmung an. Parallel zu dem tiefschwarzen Objekt in der Projektion, sind diverse Tonobjekte im Raum verteilt, welche die Leere der Hände der Künstlerin füllten und somit ihre Form erhalten haben. Die Glasuren bestehen aus feinstem Gestein, das Pearlie Frisch am Toten Meer, im Engadin und in Venedig gesammelt hat. Besucher: innen können und sollen diese Objekte in ihren eigenen Händen halten und deren Form erfühlen. Es wird zu einem Vergleich von Pearlie Frischs und der eigenen Leerräume der Hände eingeladen. Die Besuchenden werden weiter in die Ausstellung miteinbezogen, indem sie in einer Projektion gar zur Leinwand werden. Zwei Diaprojektoren bescheinen die Besuchenden. „Hold Me“ und „Watch this touch you“ berühren die Schauenden, jedoch spüren sie nichts davon. Auf einer Fotografie ist zu sehen, wie sich das Foto einer verhüllten Frau im Zustand der Entwicklung befindet - Waiting for exposure vergleicht Verhüllung, Enthüllung und untersucht den Zustand der eigenen Wahrnehmung und Interpretation.

Roman Sondereggers Werke legen ihre Materialität und Verarbeitung offen dar - es ist klar erkennbar, wie sie aufgestellt und eingerichtet worden sind. Diese Offenheit mindert die Neugier der Betrachtenden jedoch nicht. Neben rudimentären Baumaterialien wird die hier bewährte und ausgereizte Physik zelebriert. Bereits vor dem Betreten des Ausstellungsraums wächst aus der Brücke zum Trudelhaus hin eine Art Kanal, bestehend aus vertikalen Holzlatten. Sie bilden eine Verlängerung der Stahlstreben des Geländers und nehmen die architektonischen Linien des Hauses auf. Im obersten Stock trifft man auf ein fragiles Gleichgewicht bestehend aus zwei mächtigen Holzbalken, welche für die Besuchenden ein interaktives Hindernis darstellen. Dank der innovativen, freistehenden Wandeinbauten in den Ausstellungsräumen findet der Künstler Wände, mobil und von allen Seiten zugänglich. Roman Sonderegger braucht diese einzigartige Architektur und bespielt sie mit Wandbindungen bestehend aus Stahlstreben, die über Backsteine gespannt sind. Die sonst leeren, tiefen Fensternischen des Trudelhauses werden mit Stahlbändern ausgefüllt und ergeben einen Filter, der den Blick von innen nach aussen beeinflusst. Im untersten Stock wird der voluminöse, offene Raum und das freie Bewegen darin durch eine raumgreifende Installation begrenzt. Der Künstler diktiert den Weg durch eine trichterartige Anordnung von Schaltafeln. Die hängenden Holzbretter sind so angeordnet, dass in die eine Richtung blickend eine geschlossene Wand entsteht. Jedoch gewähren, in die andere Richtung gehend, die Lücken zwischen den Lamellen kleine Blicke nach Aussen. Der sonst leere Raum wird zu einem raumfüllenden Parcours.

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